Wasser ist eine der zentralen Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft – und zugleich eine Ressource, die zunehmend unter Druck gerät. Der Klimawandel verändert Niederschlagsmuster, verstärkt Wetterextreme und stellt Kommunen sowie Infrastrukturen vor wachsende Herausforderungen. Die Bedeutung eines nachhaltigen und vorausschauenden Umgangs mit Wasser kann daher kaum überschätzt werden: Ohne Wasser kann ein Mensch nur wenige Tage überleben.
Jede menschliche Körperzelle enthält Wasser und je nach Alter besteht unser Körper aus 50 bis 80 Prozent Wasser. Die chemische Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff ist für uns lebenswichtig wie keine andere Substanz und zudem als Prozesswasser in der Industrie unverzichtbar.
Als Teil unserer existenziellen Infrastruktur wird sie gesammelt, gefördert, geleitet und als Abwasser in verschiedene Kreisläufe geführt. Diese Infrastruktur sieht sich heute gravierenden Herausforderungen ausgesetzt: Der Klimawandel stellt schon jetzt die Funktions- und Leistungsfähigkeit unserer Versorgungssysteme auf die Probe. Hinzu kommen neue Anforderungen an die Sicherheit unserer Wasser- und Abwassersysteme, um Bedrohungen abzuwehren, Daseinsvorsorge zu sichern und unseren Alltag – wie gewohnt – lebenswert, wohlig und sicher zu gestalten.
Jede menschliche Körperzelle enthält Wasser und je nach Alter besteht unser Körper aus 50 bis 80 Prozent Wasser.
Wasserwirtschaft und Klimawandel
Zu den Wahrheiten, die uns seit Jahrzehnten begleiten, gehört die Erkenntnis, dass Wasser in Deutschland eines der am besten überwachten und kontrollierten Lebensmittel ist. Viele Gesetze, Richtlinien und Verordnungen sorgen dafür, dass höchste Qualität aus den Wasserhähnen der Republik fließt. Sich darum zu kümmern, ist eine der Aufgaben von Michael Figge, Geschäftsführer der EURAWASSER Betriebsführungsgesellschaft mbH Goslar, und seinem Team. EURAWASSER ist Teil der REMONDIS-Gruppe mit Spezialisierung unter anderem auf sämtliche kommunale Dienstleistungen rund um das Thema Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung.
Als Partner für Kommunen sorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei EURAWASSER zuverlässig für die Trinkwasserversorgung sowie die umweltgerechte Abwasserableitung, Abwasserbehandlung und das Oberflächenwassermanagement unter anderem in Goslar, einer Stadt mit besonderem Bezug zu Wasser: Die im Mittelalter aufgrund ihres ertragreichen Silberbergbaus am Rammelsberg bedeutsame Kaiserstadt, die übrigens Gründungsort der Knappschaft, der ältesten Sozialversicherung der Welt ist, hat viel Erfahrung mit Wassermanagement. Die Oberharzer Wasserwirtschaft, ein erfolgreiches Wassermanagementsystem, das seit dem 16. Jahrhundert das kühle Nass speicherte und leitete, um Wasserräder anzutreiben, die den Bergbau mit Energie versorgten, ist – gemeinsam mit Goslars Altstadt und dem Bergwerk Rammelsberg – UNESCO-Weltkulturerbe. Mit Wasser kennen sich die Menschen im Harz also schon seit Jahrhunderten bestens aus.
Ein Gang über die Kläranlage in Goslar zeigt: Hier wird mit Fach- und Sachkenntnis in die Zukunft investiert. Ein Blockheizkraftwerk liefert Strom aus Biogas und innovative Technologien der Abwasserbehandlung kommen zum Einsatz, um die wertvolle Ressource in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen und für die Menschen dauerhaft nutzbar zu machen. Die enge Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Clausthal zeigt sich vor Ort. Auf dem Gelände wurde eine wissenschaftliche Station eingerichtet, in der unter anderem der Ausbau zu einer energieautarken Kläranlage sowie neue Methoden der Abwasserreinigung erforscht werden.
„Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist damit zu rechnen, dass es auch in Deutschland aufgrund steigender Temperaturen und veränderter Niederschlagsverhältnisse zunehmend zu Trockenzeiten kommt, Bodenfeuchte und Grundwasserspiegel langfristig abnehmen und die Wasserverfügbarkeit gemindert wird“, heißt es im Abschlussbericht „Auswirkung des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit – Anpassung an Trockenheit und Dürre in Deutschland (WADKlim)“ des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2024. Dass sich der globale Klimawandel nicht nur auf die durchschnittlichen Regenmengen auswirkt, sondern gleichzeitig auch Wetterextreme wie Starkregen begünstigt, ist für Experten wie Michael Figge eine hinlänglich bekannte Tatsache.
Um sich auf künftige Extremwetterereignisse bestmöglich vorzubereiten, hat sich EURAWASSER am Verbundprojekt EXDIMUM (Extremwettermanagement mit digitalen Multiskalenmethoden) zur Erforschung und Entwicklung digitaler Methoden und Werkzeuge für das Extremwassermanagement beteiligt. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und hatte eine Laufzeit von Februar 2022 bis Juli 2025. Der systemische und interdisziplinäre Ansatz ging über bislang bekannte Verfahren hinaus. „Im Kern ging es auch um eine erhebliche Erweiterung der Datenbasis mittels innovativer Sensorik“, erläutert Michael Figge. Nur wenn man Zahlen, Daten, Fakten kenne, könne man sich auch auf künftige Extremwetterereignisse einstellen.
Der Klimawandel selbst sei jedoch nur eine der großen Herausforderungen für die Wasserwirtschaft, erläutert der Experte. Gemeinsam mit seinen kommunalen Partnern gebe es zahlreiche Herausforderungen.
Dazu gehörten die im Zuge der novellierten Trinkwasserverordnung bestehende Verpflichtung zur weitergehenden Elimination von Spurenstoffen im Trinkwasser, der Umgang mit Mikroplastik in Trink- und Abwasser, die ab 2029 verbindliche Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm und die im Rahmen der kommunalen Abwasserrichtlinie KARL anstehenden Maßnahmen der weitergehenden Abwasserreinigung – Stichwort vierte Reinigungsstufe.
ÖPP: Kräfte bündeln – zukunftsfest bleiben
REMONDIS arbeitet seit Jahrzehnten sehr vertrauensvoll und erfolgreich in der Wasserwirtschaft mit Kommunen zusammen. Die langjährige Zusammenarbeit erfolgt über mehrere Gesellschaften in Deutschland, die unter anderem in Goslar, Schwerin und Cottbus beheimatet sind. Die Kommunen wählen die für sie jeweils passgenaue Variante. Die Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) können ganz unterschiedlich ausgestaltet sein – stets auf die Bedürfnisse und Herausforderungen des kommunalen Partners zugeschnitten.
Öffentlich-Private Partnerschaften vereinen das Beste aus beiden Handlungsfeldern: Die Kommunen sichern langfristig für ihre Kundinnen und Kunden die Daseinsvorsorge, das private Unternehmen bringt seine Schnelligkeit, Flexibilität sowie technische und wirtschaftliche Stärke ein. Das kann Heike Heim, Geschäftsführerin der REMONDIS Energy & Services GmbH & Co. KG, nur bestätigen. „Gerade als langfristig orientiertes Familienunternehmen passt REMONDIS mit Blick auf die Unternehmenswerte und -philosophie sehr gut zu Kommunen. Wir agieren strategisch als zuverlässiger und fairer Partner“, so Heike Heim. Das zeige sich auch daran, dass in den meisten Fällen die Kommunen als Mehrheitsgesellschafter mit in der Verantwortung bleiben. Mit REMONDIS als starkem Infrastrukturpartner finde man Lösungen auf Augenhöhe, die das Beste aus beiden Welten vereinen, erläutert die Expertin für kommunale Kooperationen.
Gerade in unsicheren und wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es besonders wichtig, dass Kräfte gebündelt werden, erklärt Heike Heim. ÖPP-Modelle böten angesichts der enormen Herausforderungen eine stabile Grundlage für die Sicherung der alltäglichen Dienste und gleichzeitig eine Chance, in die Zukunft zu investieren. „Viele kommunale Unternehmen der Daseinsvorsorge sehen sich hohen Ausgaben gegenüber, ohne dass neue Erlösmodelle erkennbar sind“, sagt Heike Heim. REMONDIS als strategischer Investor mit Know-how auf allen Gebieten der Daseinsvorsorge könne bestens Flankenschutz gewährleisten und gemeinsam mit den Kommunen für größtmögliche Sicherheit in der Infrastruktur sorgen und zudem Perspektiven bieten. Und wenn Daseinsvorsorge funktioniere, werde dadurch auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in kommunale, also in Teilen staatliche Kompetenz gestärkt: „Am Ende ist Daseinsvorsorge, die funktioniert, auch immer demokratiestabilisierend und -stärkend“, ist Heike Heim sich sicher.
„Gerade als langfristig orientiertes Familienunternehmen passt REMONDIS mit Blick auf die Unternehmenswerte und -philosophie sehr gut zu Kommunen.“
Heike Heim, Geschäftsführerin REMONDIS Energy & Services GmbH & Co. KG
Umweltschutz und Schutz kritischer Infrastruktur
Die Kombination von privatem und öffentlichem Engagement schätzt auch Erik Höhne, Vorstandssprecher der ENERVIE Südwestfalen Energie und Wasser AG. Hauptaktionäre des Unternehmensverbundes sind die Stadt Hagen mit 42,66 Prozent, die Stadt Lüdenscheid mit 24,12 Prozent sowie REMONDIS mit 19,06 Prozent. Rund 400.000 Kunden und Energiehandelspartner werden von der ENERVIE Gruppe zuverlässig mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser versorgt.
Rund 400.000 Kunden und Energiehandelspartner werden von der ENERVIE Gruppe zuverlässig mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser versorgt.
„Im Prinzip ist es viel mehr als ein klassisches Kooperationsmodell“, erklärt der gebürtige Hagener, „es gibt ein tiefes Vertrauensverhältnis mit einem regen Austausch der Kommunen mit REMONDIS, was gerade in diesen schwierigen Zeiten sehr wichtig ist.“ Der erfahrene Manager und studierte Maschinenbauer, der bei der ENERVIE Gruppe auch die Ressorts Erzeugung, Finanzen, Handel und Vertrieb verantwortet, schätzt „den besonderen Geist der REMONDIS-Gründerfamilie“, der sich ausgesprochen positiv auf die Kooperation und damit auch die Stabilisierung der Daseinsvorsorge auswirke.
Letzteres habe heute eine größere Bedeutung als jemals zuvor, ist Erik Höhne überzeugt. Das habe nicht zuletzt der Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin, der zu einem mehrtägigen Stromausfall für zehntausende Haushalte geführt hat, überdeutlich gezeigt. „Insgesamt haben uns die letzten Jahre – von der Corona-Krise über den Ukraine-Krieg bis hin zur aktuellen geopolitischen Situation in der Welt – ja sehr deutlich vor Augen geführt, dass es neue Herausforderungen und Stress-Szenarien gibt, in denen wir gesellschaftliches Leben aufrechterhalten müssen.“ Und weiter: „Nach einer sehr langen Friedensphase in Europa müssen wir uns jetzt mit Themen befassen, die wir in dieser Form gar nicht diskutieren wollten.“
All das sei auch längst bei den Verantwortlichen angekommen, zumal manches – leider – mittlerweile zur Normalität zähle wie zum Beispiel Cyberattacken, die es seit vielen Jahren und praktisch jeden Tag gebe. „Konkret gehe es jetzt darum, dass wir nicht nur die veränderte politische Lage verstehen und bewerten, sondern uns als Unternehmen und als Gesellschaft vorbereiten. Das beginnt für uns mit der vermeintlich einfachen Frage: Wie genau schütze ich denn meine kritische Infrastruktur, was ist wirklich praktikabel und am Ende natürlich auch finanzierbar?“ ENERVIE schaue sich schon seit einiger Zeit an, wie physischer Schutz organisiert sein kann, zudem würden Gespräche mit der Politik geführt, zum Beispiel über Transparenz und Veröffentlichungspflichten. Erik Höhne weist auch darauf hin, dass resiliente Infrastruktur natürlich auch Geld koste – das gehöre zur Wahrheit dazu.
In Deutschland blicken viele Bürgerinnen und Bürger angesichts der Bedrohungen durchaus sorgenvoll auf die Infrastruktur: Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz, glaubt:
„Gerade im Sinne einer Green Defense gehört die Resilienz kritischer, nachhaltiger Infrastrukturen – einschließlich ihres Schutzes vor Sabotage und Cyberangriffen – ins Zentrum der Nationalen Sicherheitsstrategie.“
Aus Berlin kommt Flankenschutz: Am 6. März 2026 hat der Bundesrat dem KRITIS-Dachgesetz zugestimmt. Danach werden Unternehmen in zehn wichtigen strategischen Sektoren wie zum Beispiel Energie und Wasser zu einem besseren physischen Schutz ihrer Anlagen verpflichtet. Mit einer Rechtsverordnung soll das Bundesinnenministerium die konkreten Kriterien festschreiben. Risikoanalysen und Resilienzpläne sollen – sofern noch nicht vorhanden – erstellt werden.
Öffentlich-Private Partnerschaften bieten gute Voraussetzungen, um auch diese Herausforderungen anzugehen und zu meistern. „Wir profitieren gegenseitig von der Expertise des anderen, der Austausch hilft, gerade auch in Fragen der Resilienz“, betont Erik Höhne.
„Insgesamt haben uns die letzten Jahre – von der Corona-Krise über den Ukraine-Krieg bis hin zur aktuellen geopolitischen Situation in der Welt – […] vor Augen geführt, dass es neue Herausforderungen und Stress-Szenarien gibt, in denen wir gesellschaftliches Leben aufrechterhalten müssen.“
Erik Höhne, Vorstandssprecher ENERVIE Südwestfalen Energie und Wasser AG
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